Kaleidoskop 1

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, ,

Ja

sprach sie

lehnte sich zurück

fiel gleichsam in das Möbel

 

Nicht

überlegt

aus sich erwachsen

so dem Moment geschuldet

 

Doch

entschlossen

nicht aufzuhalten

so aus dem Tief herausgedrückt

 

So

als warte

dieses ‚ Ja‘ schon lang

Sprache, Wort und Sinn zu sein

 

Da

war es nun.

 

 

 

 

 

 

 

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Schublade Mensch

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Menschen passen nicht in Schubladen. Oder doch? In der Pathologie gibt es diese Schubladen. Aber da fehlt das Leben. Ein lebender Mensch in einer Schublade?

Undenkbar!

Undenkbar?

Sind wir nicht ständig mit inneren Schubladen unterwegs? Sympathisch… unangenehm, kompetent…dumm, glaubwürdig…zwielichtig, interessant… dumpf, und, und…

Ja, natürlich, denn das Archaische ist tief in uns und fragt permanent: Freund oder Feind? Und zur Beantwortung dieser archaisch lebenswichtigen Frage brauchen wir Hilfsmittel: eben jene Schubladen. Ansonsten schwämmen wir herum im unendlichen Meer menschlicher Möglichkeiten und fühlten uns hilflos ausgeliefert. Obwohl dies unendliche Meer menschlicher Möglichkeiten zweifelsfrei bei Licht besehen die Realität ist.

Wir können das noch nicht akzeptieren. Die Evolution ist zu langsam.

Oder wie sehen Sie das?

 

 

 

Klaras Kolumne 7

Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

Passt Brechts Satz noch in unsere Zeit? Nun, wir antworten später. Erst wollen wir überlegen.

Moral lässt sich, wie so vieles am besten durch ihr Fehlen erklären.

Wo ist sie, wenn Schaulustige Rettungskräfte behindern und Youtubegeile ihr Smartphone über ein verletztes Kind halten?

Wo ist sie, wenn Pädophilenringe sich Kinder kaufen, um sie als gemeinsame Nachspeise zu benutzen?

Wo ist sie, wenn es akzeptiert wird, Frauen als  ‚Schlampe‘, ‚Tussi‘ und ‚Bitch‘ zu titulieren?

Wo ist sie, wenn im Netz jede verbale Hemmschwelle verloren geht?

Wo ist sie….?

Fehlt die Moral oder fehlt die Scham?

Ich helfe mir aus dieser Frage, indem ich sage: Auf jeden Fall ist es dekadent. Und Dekadenz begegnet mir so häufig dieser Tage, dass es mich ängstigt. Ist sie doch ein Vorbote des Untergangs einer Kultur.

Klaras Kolumne 6

Heute wurde Guido Westerwelle zu Grabe getragen, ein ehemaliger Außenminister. Bald folgt ihm ein weiterer Außenminister auf diesem Weg.

Nein, dies wird kein Nachruf.

Es ist mir nur Anlass, auf eine Entwicklung aufmerksam zu machen. Ich beobachte eine Veränderung in der Gesellschaft, was die Wertigkeit des Friedens angeht. Zu Genschers Zeiten gab es einen breiten Konsens, dass der Sicherung des Friedens sehr vieles unterzuordnen ist. Es war selbstverständlich akzeptiert, dass andere Nationen eine andere Geschichte, eine andere Kultur und andere Interessen hatten. Außenpolitik war und ist Interessenpolitik, die für einen möglichst tragfähigen Ausgleich Sorge zu tragen hat, wenn sie am Frieden orientiert ist. Hansdietrich Genscher war sich dessen sehr bewusst und er war erfolgreich darin. Ich glaube, im Herangehen an die Aufgaben eines Außenministers war Guido Westerwelle von ähnlichen Werten und Zielen geleitet. Zwar fehlte ihm die Lebenserfahrung und Weisheit des großen Genscher, zwar neigte er dazu, öffentlich auch mal zu polarisieren, wenn es um ihn persönlich ging, aber das allein erklärt nicht, weshalb der eine so gefeiert wurde und der andere öffentlich so brutal demontiert wurde. Auch Glücklosigkeit allein konnte es nicht gewesen sein.

Es hatte sich ein Wandel in der Gesellschaft vollzogen, der sich bemerkbar machte.

Die Würde eines Amtes begann zu bröckeln und irgendwie auch die Achtung vor der Würde des anderen in einer politisch öffentlichen Diskussion. Es wurde gesellschaftsfähig, sich gern mal konfliktverschärfend und auch persönlich beleidigend zu Themen zu äußern, ohne auch nur den Hauch einer Information zu haben. Dies ist im übrigen in außenpolitischen Fragen sehr oft der Fall, weil es sich mit der Informationslage so verhält wie mit der sichtbaren Spitze eines Eisberges. Und das muss so, zum Schutze der Verhandlungspartner und zum Schutze aller verantwortlich Agierenden. Die Akten werden nach Ablauf von 50 Jahren für die historische Forschung freigegeben. Darin zu lesen macht sehr schnell klar, dass diese Regelung außerordentlich sinnvoll ist.

Allein die Behörde zur Aufarbeitung der Stasiakten macht eine Ausnahme und das ist historisch einmalig.

Herr Steinmeier hat sich ein junges Team geholt, das die Arbeit seines Amtes nach außen professionell verkauft. Und er strahlt als Person diese Integrität aus, die dieses Amt braucht.

Es  wäre an der Zeit, die Notwendigkeit von Geheimdokumenten einmal offensiver zu verteidigen und zu erklären, dass Demokratie nicht bedeutet, dass Alles und Jedes an allen Küchentischen dieser Welt breitgetreten werden kann.

Mehr Mut zu einer Öffentlichkeitsarbeit der klaren Aussagen, liebe Politiker. Vielleicht gewinnt ihr so auch verloren gegangenes Vertrauen zurück.

 

 

Ein Nachschrei

Mein Gott, Alex

Jemand ruft meinen Namen

Umarmung

Wiedersehensfreude

und dann das

Die Nachricht

die verstummen lässt

Mein Gott, Alex

 

Mein Gott, Alex

Du entschiedest dich

gegen dein Leben

und diese Welt

Ich möchte schreien:

Doch nicht du!

Mein Gott, Alex

 

Mein Gott, Alex

Du warst so verdammt jung

Du warst so unverstellt offen

So voll des kreativen Fühlens

So empfindsam und so bezaubernd

Ich wäre so gern noch deine Mentorin in Sachen Malerei gewesen

Mein Gott, Alex

 

Mein Gott, Alex

Vor meinem inneren Auge leben gemeinsame Momente auf

Dein Scherzen und Lachen bei Tisch

Deine Sushi-Rezepte

Dein Lächeln

Der Spaziergang in der Abendsonne am See

mit all den Freunden

Du lagst im Gras und sinniertest laut über deine Zukunftsträume

Sie liebten dich, alle

Und doch warst du ein wenig nicht von dieser Welt

Ach Alex

 

 

 

Fort

Der Tag an dem du gingst

Dein Duft im Raume hing

Dein Atemwind noch blies

Der Stille Wege wies

Mit dem Blick zurück

In das vergangen Glück

 

Der Tag an dem du gingst

Mich Zärtlichkeit umfing

Zwar warst du gegangen

Doch hieltest umfangen

Den Frieden der Zeiten

Gemeinsamer Weiten

 

Der Tag an dem du gingst

Der Tag an dem du bliebst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frühfrühling

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Der Boden wird wach

Zwiebeln docken nach

In Startposition

Zum Luftikusston

Fanfarenschreie

Der ersten Reihe

Weckruf der Natur

Eingetreten Spur

Aufgeweichter Schritt

Nimm mich bitte mit

Du Aufbruchssignal

Du Echo im Tal

Der ersten Gräser

Trompetenbläser

Posaunen es aus

Schau raus aus dem Haus

Und nehme es wahr

Der Frühling ist da